"Mask over Bosnia" 1998-2001
Maskenbau und -performance mit Jugendlichen aus Bosnien und Herzegowina, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland
"Vor diesem Camp kannte ich die Menschen aus der RS [Republika Srpska] nur durch ihre Bomben und Soldaten. Nun weiß ich, dass es ihnen genau so ging wie mir. Das macht mir Hoffnung auf Frieden... Ich weiß nun sie sind Menschen wie du und ich... auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich jemals wieder jemandem vertrauen kann..." (Enes aus Bosnien und Herzegowina, 1999)
Seit 1998 führt der Verein 'Campus 15 - Jugend wagt den Frieden' aus Lohmar (bei Bonn) jährlich stattfindende Sommercamps in Deutschland durch. Eingeladen sind Jugendliche aus Deutschland, den Niederlanden, und seit 2001 auch Briten, vor allen Dingen aber Bosnier aller Bevölkerungsgruppen - Serben, Kroaten und Bosniaken (Muslime).
Seit dem so genannten Daytoner Friedensabkommen von 1995 sollen diese drei Ethnien zu Angehörigen des Staates 'Bosnien und Herzegowina' (BiH) zusammenfinden. Faktisch aber sind die Verletzungen, Vorurteile und Trennungen durch den Lebensalltag so stark, dass die Jugendlichen sich in ihrem Lande kaum begegnen.
'Campus 15' wurde 1998 durch den Bundeswehroffizier (a.D.) Simon gegründet, der sich nach seiner Pensionierung das Ziel gesetzt hat, Räume für eine friedliche Begegnung der ehemalig verfeindeten Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Durch die Begegnung mit Jugendlichen aus Deutschland, England und den Niederlanden eröffnet sich eine echte europäische Perspektive.
Neben zahlreichen sportlichen Aktivitäten, Gesprächen und Ausflügen sind die einwöchigen 'creative workshops' zentraler Bestandteil der Camps, für die professionelle Künstler und Sozialarbeiter aus Deutschland und England engagiert werden. Je nach Belieben können die Jugendlichen also gemeinsam Tipis errichten, in einer Band mitspielen und eigene Songs produzieren, tanzen, trommeln - oder eben Masken bauen und diese zum Leben erwecken - mein Workshop:
Den Jugendlichen soll dabei die Möglichkeit gegeben werden, ohne Wertung all das auszudrücken, was in ihnen lebt und nach Ausdruck verlangt. Schmerzhafte Erlebnisse, unverarbeitete Bilder aus dem Krieg, Schattenbereiche ihrer Seele oder auch Hoffnung, Liebe und Zukunftsphantasien. Natürlich ohne dass sie dabei etwas von sich preisgeben müssen, wozu sie (noch) nicht bereit sind.
Projektablauf
Nach einer spielerischen Einführung und einer kurzen Kennenlernphase wird mit dem Maskenbau begonnen. Erster Schritt: Gipsabdrücke von den eigenen Gesichtern machen. Zweiter Schritt: Maskenpositive aus Ton fertigen. Dritter Schritt: Aufbau mit Pappmache. Dabei können sowohl Vollmasken, als auch Halbmasken entstehen, die den Spielern der Maske erlauben, mit Sounds und Sprachfragmenten zu experimentieren. Welche Figuren dabei entstehen, ist vollständig der Phantasie der Teilnehmer überlassen. Im Anschluss soll jede/r etwas über seine bzw. ihre Maske erzählen, eine Biografie entwickeln, einen Körper für sie finden und diesen zum Leben erwecken. Das Ergebnis ist meist beeindruckend: Allerlei skurrile Gestalten, Clowns, Vogelwesen, Fabeltiere und Dämonen nehmen Gestalt an und beherrschen den Raum. Die Masken fungieren als Medien, machen innere Vorgänge sichtbar, gleichzeitig erlaubt ihr Spiel, dem Verdrängten, Vergessenen oder Ersehnten eine symbolische und ästhetische Form zu geben.
Trotz der Unterschiedlichkeit und Einzigartigkeit aller Masken kristallisieren sich auch kollektive Themen heraus, z.B. existentielle Einsamkeit: Immer wieder entstehen Figuren, die hässlich, misstrauisch und aggressiv sind, im innersten Kern aber auf der Suche nach Liebe. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass viele der bosnischen Jugendlichen schreckliche Verluste im Krieg erlitten haben und nun ohne Eltern, Geschwister oder Freunde auskommen müssen.
Parallel zum Maskenbau wird gespielt, gesungen, getanzt, in die Techniken des Maskenspiels eingeführt und mit Körpertheater experimentiert. Als Abschluss und Vollendung des Workshops wird jeweils eine kleine Performance entwickelt und zur Aufführung gebracht.