Bild 2 wird geladen...Wild Love ... wilde liebe... liebe wild!?

Die Idee

Das Projekt

Künstlerische Inhalte

Das Produkt

Anmerkungen

Voraussetzungen  

Pressespiegel

  

 

 

 

 

 

 

sich lieben

in einer Zeit

in der menschen einander töten

mit immer besseren waffen

und einander verhungern lassen

und wissen

dass man wenig dagegen tun kann

und versuchen

nicht stumpf zu werden

und doch

sich lieben

 

sich lieben

und einander verhungern lassen

sich lieben und wissen

dass man wenig dagegen tun kann

sich lieben

und versuchen nicht stumpf zu werden

sich lieben

und mit der zeit

einander töten

Und doch sich lieben

mit immer besseren waffen

["Durcheinander" von Erich Fried]

 

 

 

 

Wild Love ... wilde liebe... liebe wild !!?

FLUGZEUGABSTURZ: 269 TOTE, KEINE ÜBERLEBENDEN.. 

ZAHL DER DROGENTOTEN SCHON WIEDER ANGESTIEGEN...

IMMER MEHR JUGENDLICHE GEWALTTÄTER IN DEUTSCHLAND... 

ANSTIEG DES RECHTSEXTREMISMUS IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN... 

VIER MILLIONEN ARBEITSLOSE – WO SOLL DAS NOCH HINFÜHREN...??

 

Ein Tanz- und Theaterprojekt mit Jugendlichen zum Thema Liebe... macht das Sinn in diesen Zeiten? Und dann auch noch wilde Liebe...? Sind die Ereignisse nicht wild genug, ist es nicht eher angezeigt, etwas gegen die Arbeitslosigkeit zu tun oder gegen die Gewalt in unserem Land? Daß mal wieder etwas Ruhe einkehrt in diesen stürmischen Zeiten? Ja. Natürlich.

Aktionen wie "Schule ohne Gewalt", "Schule ohne Rassismus" und "Deeskalationstrainings" für "gewalttätige Jugendliche" haben Konjunktur. Wir wollen keinen Polizeistaat, wir wollen keinen Konsumrausch, wir wollen keine Arbeitslosen, wir wollen keine unzufriedenen Jugendlichen, wir wollen keine Gewalt auf den Straßen... darüber sind wir uns einig...

Aber was wollen wir eigentlich? Wie sieht unsere Vision von Zukunft aus? Oder, weiter gefragt, wie sieht die der Jugendlichen aus, wo sind ihre Potentiale, wo ihre Bedürfnisse? Wo sind die Ressourcen, die Kraft, der Elan, die Motivation, welche notwendig sind für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft?

Vor den Schwierigkeiten nicht kapitulieren, sondern sie als Herausforderungen nehmen, Lust am Leben zu gewinnen und es zu genießen, ja, es sogar als Kunstwerk zu betrachten, dessen Gestaltung in der eigenen Hand liegt... nur ein Traum? Vielleicht ist es ein Traum, doch ich glaube, es lohnt sich diesem nachzugehen. Und es gibt etwas, das uns helfen kann, eine andere Haltung dem Leben gegenüber zu einzunehmen: die Liebe. 

Erst die Liebe macht das Leben lebenswert, ohne sie ist alles nichts. Die Liebe zu einem Menschen gibt uns Lebenssinn. Das Gefühl, geliebt zu werden, lässt vieles in anderen Farben erscheinen und gibt uns Kraft, auch schwierige Lebensphasen zu durchstehen. In der Liebe sagen wir mutig "Ja" zu uns selbst, zu den anderen, zu den Höhen und Tiefen unseres Daseins.

Die Idee

Um Liebe soll es gehen, und natürlich um Beziehungen und Sexualität: eben die Themen, die Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren am meisten bewegen.

Wie macht man eigentlich ein Mädchen oder einen Jungen "richtig" an, wenn sie/er einem gefällt? Und wenn er der Freund meiner besten Freundin ist, muss ich ihn dann in Ruhe lassen, auch wenn er mich will? "Sie liebt mich, sie liebt mich nicht... oh, das tut ganz schön weh, wenn man einen Korb bekommt. Was wollen die Mädchen eigentlich von den Jungen? Oder die Jungen von den Mädchen? Ist Sex ohne Liebe "unmoralisch" oder ist das in Ordnung, wenn es beide wollen? Und was ist, wenn etwas "schiefgeht"... ist Abtreibung Mord oder eine gute Lösung? Ach, man sollte erst gar nicht miteinander schlafen, wenn man noch keine feste Beziehung hat..oder?! 

Viele, viele Fragen stellen sich, sobald die erste Verliebtheit bzw. die Lust auf das andere Geschlecht erwacht. Und es mangelt auch nicht an gutwilligen Ratgebern (und –rinnen), die auf alles die "richtigen" Antworten wissen: seien es die Eltern, die Geschwister, die Freunde und Freundinnen, oder auch das "Dr. Sommer Team" der Bravo. Leider bekommt man oft unterschiedliche Antworten von unterschiedlichen Personen. Also, woran soll man (oder frau) sich halten?

Am wenigsten helfen rigide Moralvorstellungen, mit deren Hilfe Eltern oder andere Erziehungspersonen ihren Kindern vermitteln wollen, was gut und was schlecht, was richtig und was falsch ist. Starre Meinungen über ein allgemein richtiges Verhalten in Liebe und Sexualität berücksichtigen nicht die Vielfalt an Gefühlen, Wünschen, Vorstellungen und Erfahrungen. 

In dem Anliegen, den Jugendlichen schlechte Erfahrungen ersparen zu wollen, wird nicht selten verhindert, daß letztere lernen, mit Widrigkeiten aus eigener Kraft fertig zu werden. Wer schlechte Erfahrungen ersparen will, erspart oft alle Erfahrungen. Auch die schönen.

"Wild love"... das Wort "wild" ist hier gemeint im Sinne von lebendig, frei, anmutig: wie etwa eine wilde Blume oder ein Baum, dem es erlaubt wurde, seine Zweige hoch in den Himmel oder weit in die Ebene zu strecken - gerade wie es ihm gefällt. Man schaue nur in einen wild gewachsenen Wald: Kein Baum gleicht einem anderen, und gerade daraus ergibt sich seine Schönheit.

Das Projekt

Eine Gruppe von maximal 22 Jugendlichen entwickelt unter Anleitung eines Theaterpädagogen und einer Tänzerin bzw. Tanzpädagogin innerhalb einer dreizehntägigen Werkstatt (Verkürzung möglich, Minimum ist allerdings 5-6 Tage) ein Tanz- und Theaterstück und bringt es anschließend zur Aufführung. Hierbei kann ein Drama, eine Komödie, eine Tragödie o.ä. entstehen. Die Tanzgruppe und die Theatergruppe arbeiten anfangs parallel, später gemeinsam.

In der ersten Phase wird in der Theatergruppe mit den Mittel aus (Schau-)Spiel, Ausdruck und Kommunikation einerseits über autobiographische Erlebnisse der Jugendlichen, andererseits über deren Fragen, Themen, Wünsche und Phantasien rund um den Themenkomplex "Liebe, Beziehungen und Sexualität" improvisiert.

Die Tanzgruppe wird sich in gleicher Zeit mit aktuellen Songs aus dem Bereich Hip Hop, Dancefloor o.ä. auseinandersetzen. Soweit diese noch nicht in Übersetzung vorliegen, sollen sie im Vorfeld ins Deutsche übertragen werden. Welche Songs faszinieren, welche sind uninteressant oder abstoßend? Über Gespräche wird schnell die eigene Beteiligung sichtbar. Ausgewählte Stücke werden mit Hilfe von Tanz und Gesang interpretiert. Im weiteren Verlauf wird auf Choreographien hingearbeitet.

Aus diesem Prozeß ergeben sich die Themen, welche die Gruppen am meisten beschäftigen - und ausreichend Material für das zu erarbeitende Stück. Gleichzeitig werden die künstlerischen Potentiale der TeilnehmerInnen sichtbar - welche freigelegt und für die weitere Arbeit genutzt werden können.

Im Anschluß reflektieren die Tänzerin und der Theaterpädagoge die ersten Eindrücke und Improvisationen. Das Material wird gesichtet und selektiert: interessantes ausgewählt, weniger interessantes verworfen. Eine Stückvorlage wird geschrieben. 

Zweite Phase: Das so entstandene Stück wird den Jugendlichen vorgestellt und erst in Halbgruppen, später in der Gesamtgruppe inszeniert. (und während der Erarbeitung noch verändert bzw. weiterentwickelt). Des weiteren werden nun verstärkt schauspielerische und tänzerische Fertigkeiten und das Zusammenspiel trainiert. Am Ende dieser Phase steht eine Werkaufführung, in der das Prozeßergebnis dargeboten werden soll. Hierzu werden FreundInnen, Bekannte und Verwandte eingeladen und um Rückmeldung gebeten.

In einer dritten Phase erfolgt die Endregie: hier soll das Stück in Bezug auf Dramaturgie, Formgebung etc. auf den Punkt gebracht sowie weiterhin an der tänzerischen und schauspielerischen Umsetzung gefeilt werden. Rhythmus, Bühnenpräsenz, das Zusammenspiel der Gruppe und die Lebendigkeit des Ausdrucks stehen hier im Vordergrund.

Auf diesem Wege entsteht ein Tanz- und Theaterstück, das spannend anzuschauen und noch mehrmals (auch an anderen Orten) aufgeführt werden kann.

Künstlerische Inhalte

In der Theatergruppe liegt der Schwerpunkt auf einer Darstellung, die beim Zuschauer innere Bilder wecken und die Phantasie anregen soll. Körperlicher und emotionaler Ausdruck stehen im Vordergrund, eigene Texte kommen hinzu.

Neben Monologen und Dialogen über episches und episch-dramatisches Spiel können auch Formen aus dem Bereich des Körper- und Bewegungstheaters zum Zuge kommen: Statuen, Bewegungsbilder, Hintergrundbilder, Chorisches Spiel etc.

In der Tanzgruppe soll gerappt und getanzt werden. Der Schwerpunkt liegt einerseits in dem körperlichen und emotionalem Ausdruck, andererseits in stimmigen und spannenden Choreographien und in der Belebung von geschriebenem Text. Auf Präzision (wie beim Jazztanz) wird weniger Wert gelegt. Die küstlerischen Schwerpunkte, die hier gesetzt werden, hängen in erster Linie von der Tänzerin selbst ab.

Allgemein ist zu bemerken, daß erst in der Begegnung der Künstler/innen mit der Gruppe und deren Themen deutlich werden wird, mit welchen Mitteln sich das am besten ausdrücken läßt, was die Jugendlichen ‚rüberbringen‘ wollen.

Hierbei wird in besonderem Maße auf Potentiale von einzelnen und der Gruppe(n) geachtet. Entsprechende Wünsche, Kenntnisse und Fähigkeiten können bereits vorhanden sein oder noch freigelegt werden: ist jemand dabei, der gut erzählen kann, wird dies zu epischem Spiel führen. Entdecken die Spieler/innen ihre Faszination am Körpertheater, wird es Schwerpunkte in diesem Bereich geben.

Das Produkt

Die Form des Produkts ergibt sich aus dem Prozeß. Hier werden Weichen gestellt und Entscheidungen getroffen. Inhalte sind die Themen der Jugendlichen beider Gruppen: Die Arbeit der Schauspieler/innen soll die der Tänzer/innen inspirieren und umgekehrt.

In einer schnellen Szenenfolge sollen sich Theater- und Tanzeinlagen abwechseln und ein geschlossenes Gesamtbild ergeben. Möglich ist eine durchgängige Geschichte mit verschiedenen Rollen oder auch eine Collage, die eher auf die Wirkung von Bildern und die Kraft der Dynamik setzt. Ziel ist eine ausdrucksstarke Performance, die sich sehr nahe an der Lebenswelt der Jugendlichen orientiert. Dabei geht es nicht um langatmige Rollenspiele, sondern um die künstlerische Umsetzung des vorhandenen Potentials in einer intelligenten Dramaturgie. 

 

Das Projekt wurde - in Zusammenarbeit mit Cora E (die 'Hip Hop Queen' der ersten Stunde - CD: 'Schlüsselkind') aus Heidelberg - bislang zwei Mal in Kempen und Herten mit großem Erfolg durchgeführt. Pressespiegel hier klicken!

Anmerkungen

Bei den fünftägigen Workshops gehe ich von zwei Arbeitseinheiten pro Tag aus, die jeweils etwa 3 Stunden dauern sollten (gleiches gilt für die 5-6 Tage Version). Zum Zwecke der dreitägigen Endregie wäre es von Vorteil, für ein Wochenende in ein Tagungshaus zu fahren. Freitag abend 2-3 Stunden, Samstag 6-9 Stunden, Sonntag 3 Stunden sind die Arbeitszeiten, die ich mir vorstellen kann. 

Die Phasen sollten zeitlich gesehen nicht zu weit auseinander liegen: für den gesamten Prozeß würde ich höchstens zwei bis drei Monate ansetzen. Die Pause zwischen der zweiten und dritten Phase sollte höchstens ein bis zwei Wochen betragen. 

Noch besser wäre es, en bloc zu arbeiten und das Projekt als Sommercamp zu installieren - wobei zwischen den Phasen jeweils ein bis zwei Tage frei sein sollten.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß der Theaterbereich sehr viel differenzierter dargestellt wurde als der Tanzbereich. Das liegt daran, daß das Konzept der Tanzgruppe von der Tänzerin bzw. Tanzpädagogin selbst abhängt: von ihrem Hintergrund, ihrer Ausbildung, ihrer Arbeitsweise. 

Ich kenne mehrere Tänzerinnen, die für dieses Projekt in Frage kämen, und jede davon arbeitet unterschiedlich. Es gehört für mich zum Respekt vor der Eigenständigkeit meiner Kollegin, ihr kein allzu fertiges Konzept vorzusetzen, daß sie dann nur noch ausfüllen müßte. Vielmehr freue ich mich darauf, mich durch mein Gegenüber inspirieren zu lassen und bin davon überzeugt, daß sich unsere gemeinsame Arbeit schon in der Phase der Konzeption befruchten kann.

Da ich mit Jungen und Mädchen arbeiten möchte, und meines Erachtens gerade bei dem Thema "Liebe..." eine paritätische Besetzung Sinn macht, versteht es sich, daß ich mir die Zusammenarbeit mit einer Kollegin wünsche. Doch ist dies kein "muß": auch mit einem männlichen Kollegen ist die Arbeit denkbar, sie wird dann etwas anders.

Wenn mit einer Schulklasse bzw. einer größeren Gruppe gearbeitet werden soll, ist es auch möglich, daß Jugendliche, die keine Lust auf Tanz oder Theater spielen haben, eine Foto- oder Videodokumentation erstellen. Dies müßte allerdings von einem Pädagogen / einer Pädagogin begleitet werden (vielleicht dem/der Lehrer/in).

Neben der "deutschen Variante" ist dieses Projekt auch als interkulturelle Begegnung denkbar. Hier würden allerdings andere Akzente bzw. Schwerpunkte gesetzt: wie wird die Andersartigkeit in der Begegnung von Jungen und Mädchen verschiedener Kulturen erlebt bzw. sichtbar? Was fasziniert, was ist fremd oder im ersten Moment sogar abstoßend an dem/der anderen?. Was ist zum Beispiel, wenn sich ein türkisches Mädchen in einen Deutschen verliebt...? Wie reagiert das Umfeld?

Auswirkungen hätte das auch auf die Arbeit in der Tanzgruppe, z.B. bei der Auswahl der Musik: traditionelle Lieder und Tänze anderer Kulturen könnten mit aktuellen Parts westlicher Prägung gemischt werden.

Voraussetzungen